Warum Nachhilfe nicht in der Schule stattfinden sollte

(Autor: Gregor Hübner)

gregor-huebnerWenn ein Kind größere Defizite in der Schule „anhäuft“, aus welchen Gründen auch immer, ist es meiner Meinung nach nicht ratsam, das Kind an ebendiesem Ort fördern zu wollen, wo es doch gerade die Probleme mit dem Lernen hat.

Schulinterne Lernförderung am Nachmittag, die gern als „Förderkonzept“ verkauft wird, ist oft nichts anderes als ein hilfloser Versuch, unsere flächendeckenden Probleme in der Bildungsvermittlung zu kaschieren.

Ich habe selbst einige Zeit an verschiedenen Schulen Förderkurse in den Fächern Deutsch und Latein gegeben. Die Realität sieht so aus, dass die etwa 10 Kinder, die sich nach einer langen Mittagspause für etwa eine Stunde zum Förderunterricht einfinden, zwar derselben Jahrgangsstufe, jedoch unterschiedlichen Klassen angehören und „nebenbei“ auch noch ganz individuelle Lernbedürfnisse und Lernziele haben.

Als Lehrer ist man somit zu Beginn der Stunde erst einmal damit beschäftigt, das Unterrichtsmaterial zusammenzustellen, und das heißt zunächst einmal den Kopierraum aufsuchen, zuvor aber noch die Schüler mit einer Aufgabe zu beschäftigen bzw. zu klären, welche Schüler bereits mit ihren Hausaufgaben beginnen, bei denen sie Unterstützung benötigen.

Erst einmal ein großes Gesuche
Es ist also zumeist erst einmal - wie überhaupt im gesamten Gebilde Schule - ein großes Gesuche und Improvisieren, bis man allen Schülern eine sinnvolle Aufgabe erteilt hat.
Manche Kinder haben natürlich auch erst einmal Fragen: „Ich verstehe das mit dem Konjunktiv nicht?“, sagt etwa die eine Schülerin und eine andere stimmt mit ein: „Können Sie uns das noch einmal erklären?“ - Also, was tun? - Soll ich nun den beiden im Sechsaugengespräch den Konjunktiv erklären, wodurch ich den anderen Schülern nicht zur Verfügung stehe, oder nehme ich die Tafel, wodurch andere aber wieder abgelenkt werden? -

Schlicht und ergreifend gibt es in der Regelschule innerhalb der verfügbaren Lernzeit kaum eine effektive Möglichkeit, Schüler individuell so zu fördern, dass ihr Lernfortschritt „greifbar“ gemacht werden kann.

Unseriöse Angebote von Trittbrettfahrern - unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit
Ich sehe es seit einiger Zeit mit großer Verärgerung, wie sich auf dem Bildungsmarkt Institutionen tummeln und unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit den professionellen, seriösen Nachhilfeschulen ungelenk in den Arm fallen. Städtische oder gemeinnützige Institutionen haben nämlich quasi freien Zugang zur Regelschule und dürfen ihre Nachhilfedienste innerhalb der Schlagern anbieten. Geschützt werden sie dabei durch die Stadtverwaltung, indem einfach Paragrafen des Schulgesetzes falsch ausgelegt werden.

Dadurch unterwandern sie in unheilvoller Allianz mit den Städten nicht nur den Wettbewerb, sondern sie sabotieren die Lernförderung geradezu, da sie nicht im Mindesten die Qualität einer professionellen Nachhilfeeinrichtung bieten können. Von einer seriösen Nachhilfe kann man nur dann sprechen, wenn den Kindern zu jeder Zeit eine Vielzahl an Lernanreizen zugänglich sind, die Nachhilfe kontinuierlich stattfindet und nicht durch Ferien unterbrochen wird.

Probleme der schulinternen Nachhilfe:
Vergebene Chancen - verlorene Zeit - verschwendetes Geld
Der Versuch, Schülern innerhalb der Schulen eine gute Nachhilfe angedeihen zu lassen, ist aus mehreren Gründen zum Scheitern verurteilt.

1. Lehrer können nicht auf alle Schüler innerhalb großer Lerngruppen eingehen
2. Materialsuche verschlingt viel Zeit
3. Es stehen bei Weitem nicht die Lernmaterialien zur Verfügung wie in einer professionellen Nachhilfeeinrichtung
4. Der Unterricht fällt oft aus. Gründe hierfür sind Schulferien, erkrankte Lehrer, Konferenzen
5. Der Unterricht wird oft verkürzt, damit Schüler ihren Bus noch bekommen

Alles in allem gibt es überwiegend Verlierer bei der schulinternen Lernförderung. In erster Linie sind es die Schüler, denen vorgegaukelt wird, sie täten etwas für die Verbesserung ihrer Noten. Denn die Schüler vertrauen diesen Angeboten - zunächst jedenfalls. Stellt sich aber nicht die gewünschte Verbesserung der Leistungen ein, kann so gut wie nicht mehr zeitnah reagiert werden.

In der Schule: keine Förderung in den Ferien
Für Schüler und Lehrer schön, für die Qualifikation aber schlecht - Ferien, Ferien, Ferien
Überspitzt formuliert könnte man behaupten, Unterricht sei die Zeit zwischen Ferien und Feiertagen. Doch leider ist es so, dass ein kontinuierlicher Unterricht kaum noch möglich ist, weil Schule meint auf alle individuellen Belange reagieren zu müssen - nur leider nicht auf die gründliche Bildung ihrer Schüler. So berichten mir Schüler oft, dass ihre Lehrer "keine Zeit" hätten, sich eine schriftliche Ausarbeitung anzuschauen; ganz bedenklich ist das für "Seiteneinsteiger", also Kinder, die unsere Sprache als Fremd- oder Zweitsprache lernen. Hinzu kommt, dass in den Ferien schulinterne Fördermaßnahmen nicht stattfinden. Nimmt man noch die Feier- und Brückentage hinzu, bedeutet dies schon einen beachtliche Ausfall an wertvollen Stunden.

Gemeinnützige Anbieter - Bildung und Teilhabe (BuT)
Besonders Schüler, die über Bildung und Teilhabe (BuT) gefördert werden, hängen mit Ihren auf den Anbieter bezogenen Bewilligungen geradezu „fest“ in einer Lernförderung, die ihnen nichts bringt. Des Weiteren haben die Angebote gemeinnütziger oder städtischer Einrichtungen den Nachteil, dass sie im neuen Schuljahr oft erst nach den Herbstferien starten. Somit geht wertvolle Zeit verloren.

Manchmal stellt sich erst später heraus, dass diese Anbieter gar keine Kurse durchführen können, etwa weil das Personal fehlt. Zudem können die städtischen Anbieter kaum direkt mit Eltern und Fachlehrern der Schulen die Lernförderung der Kinder abstimmen, da hierfür kein Personal und auch kein eigenes Sekretariat zur Verfügung stehen.

Darum sollten Sie als Eltern genau darauf achten, welchem Anbieter Sie die Lernförderung Ihres Kindes anvertrauen. Achten Sie bei der Auswahl des Anbieters auf folgende Kriterien:

1. Kurze Mindestvertragslaufzeiten
2. Kleine Lerngruppen
3. Kein Unterrichtsausfall
4. Unterricht in den Ferien
5. Vollständige Dokumentation des Lernfortschritts
6. Informationsaustausch zwischen Lernförderung und Regelschule

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